Meine Woche mit dem HTC Desire

Vor einer Woche war es endlich soweit: Nachdem die Liefersituation nahezu hoffnungslos schien, trafen letzten Donnerstag unerwartet doch einige Desire ein… also: Tschüss Xperia X10, es war eine schöne Zeit – auch wenn Du mich beim Telefonieren manchmal geärgert hast – denn Dein Touchscreen schaltet beim Telefonieren nicht ab, was zu unerwünschten Ergebissen führt. Aber schlau von Dir, diesen Fehler bis zu meinem letzten Bericht über Dich zu verbergen … nun aber zu meiner neuen Desiré.

Von außen sehr hochwertig, aber dennoch recht unscheinbar wirkt es. Spreche ich mit anderen über das Gerät, ist die erste Reaktion in den meisten Fällen eine überraschend negative (was sich jedoch in allen Fällen nach wenigen Minuten in Begeisterung wandelt) – wahrscheinlich stammt das wohl recht schlechte Image bei einigen auch, weil diese bei HTC fälschlicherweise sofort an Windows Mobile denken. Aber weit gefehlt – beim Desire handelt es sich zum einen nicht um das erste Android-Gerät aus dem Hause HTC, zum anderen sogar um eines mit der aktuellsten Adroid-Version 2.1 – und die Unterschiede zu den Vorgängerversionen sind nochmals spürbar und bieten deutlich mehr Komfort.

Touchscreen und Bedienung: Der 9,4 cm große Bildschirm mit einer phantastischen Auflösung von 480×800 Pixel stellt alle Inhalte hell und deutlich mit einer bestmöglichen Auflösung dar. Die kapazitive Touchscreen reagiert perfekt auf jegliche Steuerbefehle oder Tastatureingaben – auch wenn ich die Touchscreen selbst als “identisch” zum Komfort eines iPhone bezeichnen würde, hörte ich von anderen, dass diese mit der des Desire noch besser zu Recht kommen. Grund dafür dürfte wohl die übersichtlichere Tastatur und der bessere Kontrast sein. Weiterer Bonuspunkt: Texte können schnell erfasst werden, da das Desire ab dem ersten eingegebenen Buchstaben Wortvorschläge gibt, welche dann durch Betätigen der Space-Taste einfach übernommen werden. Dabei merkt sich das Desire übrigens nicht nur eigene Worte, sondern auch Textmuster. Für das Wort “Willkommen” ist z.B. die Eingabe “Willk” ausreichend – der Rest wird automatisch vervollständigt. Dank der neusten Android-Version 2.1 unterstützt das Desire auch Multitouch – so können z.B. mit zwei Fingern vergrößert oder verkleinert werden.

Betriebssystem: Ich habe vor ein paar Tagen gelesen, dass es im Computer-Bereich “gute” Lösungen gibt, da z.B. mit Linux ein offenes und günstiges Betriebssystem zur Verfügung steht. Bei Handys, so weiter, gibt es nur “böse” Lösungen, da alles zu sehr kommerzialisiert sei. Ich sehe das zwar nicht ganz so, aber halte Android trotz einiger Vorbehalte gegenüber Google, welche viele vorbringen, für das momentan offenste Betriebssystem mit äußerst überzeugender Leistung und viel Potential.

Software: Hier hat HTC eine sehr gute Arbeit gemacht. Neben den in Android mitgelieferten Funktionen bietet das HTC bereits eine erstaunlich umfangreiche und optisch sehr gute Ausstattung – und das ist übrigens auch der Unterschied zum Xperia, bei welchem nach den ersten HTC-Eindrücken das Xperia wie Flickwerk anmutet. So stehen bei HTC bereits bei Auslieferung zahlreiche Widgets zur Verfügung. Bei Widgets handelt es sich um “Mini-Anwendungen”, welche direkt auf der Homescreen ausgfeührt werden. Egal, ob man sich auf der Homescreen das aktuelle Wetter, Termine, Uhr, Kontakte oder den Musikplayer anzeigen möchte – für jeden Bedarf gibt es eine Lösung, bei welcher man in den meisten Fällen noch aus mehreren Designs auswählen kann. Auch weitere HTC-Entwicklungen sind durchdacht und sehr überzeugend. Der Friend-Stream stellt zum Beispiel einen einheitlichen Client für Facebook, Twitter und Flickr dar. Nachrichten im Netzwerk werden so in einem einzigen Client verwaltet. Sehr erfreulich ist in allen Situationen auch die enorme Geschwindigkeit: Das Öffnen von Apps erfolgt ohne die kleinste Zeitverzögerung – und auch der Aufruf von Web-Seiten erfolgt dank des mitgelieferten Browsers in rasanter Geschwindigkeit. Weitere Funktionen runden das Desire ab – wird das Desire zum Beispiel beim Klingeln in die Hand genommen, verringert sich die Lautstärke des Klingeltons – wird es aufs Display gelegt stellt es komplett auf lautlos.

Telefon: Die Telefonfunktion wird über den Touchscreen gestartet. Gewählt wird entweder über das Telefonbuch oder die Tastatur. Um Einträge im Telefonbuch zu finden, tippt man einfach auf die an den Ziffern zugehörigen Buchstaben. Um z.B. den Eintrag “stolz” zu finden, wird einfach 78659 eingegeben. Die entsprechenden Vorschläge werden ab der ersten Eingabe immer angezeigt – das spart Zeit und ist deutlich bequemer als die Suche über eine QWERTZ-Tastatur.

Kamera: Das Desire bietet eine 5-Megapixel-Kamera mit Videoaufnahme-Funktion. Diese liefert meines Erachtens äußerst gute Ergebnisse. Auch hier wieder ein wirklicher Fortschritt im Vergleich zum Xperia: Obwohl das Xperia 8 Megapixel bietet, wird jeder mit der Kamera des HTC sicherlich zufriedener sein: Zum einen kann der Blitz auf Automatik gestellt werden (bei Xperia muss dieser manuell aktiviert werden) – zum anderen ist dieser auch deutlich heller und leuchtet Aufnahmen im dunkeln recht gut aus. Auch die Öffnungszeiten sind deutlich besser: Braucht das Xperia eine gefühlte Ewigkeit zum Start der Kamera-Applikation, steht diese beim Desire innerhalb ca. 1,5 Sekunden zur Verfügung.

Musik: Der integrierte Musikplayer ist übersichtlich und kann per Widget auf den Homescreen gestellt werden. Am Sound beim Hören der Musik über das Headset ist absolut nichts zu bemängeln – über den integrierten Lautsprecher schauts jedoch anders aus: Dünner Klang und zu leise. Da wäre mehr drin gewesen.

Akku: Dass jedes 30-Euro Handy die vielfache Stand-By Zeit hat als aktuellste Hightech-Geräte ist bekannt – und damit muss man sich auch beim HTC anfreunden. Das Gerät bringt einen über den Tag – aber nach 14-20 Stunden ist dann Schluss und wir werden beide müde.

Fazit: Hätte ich zuerst meine kleine Desiré getestet und danach das Xperia, wäre mein Xperia Bericht sicherlich etwas negativer ausgefallen – denn das HTC Desire kann alles, bietet eine ”runde” Gesamtlösung und stellt meines Erachtens aktuell definitiv das beste auf dem gesamten Mobilfunkmarkt erhältliche Gerät dar. Somit fällt es mir ehrlich gesagt schwer, neben dem zu leisen Lautsprecher einen weiteren Fehler zu finden… Für jeden, der Spaß an Technik hat und sich ein Gerät in dieser Preisklasse leisten möchte, gibt es meines Erachtens momentan keine andere Wahl als das Desire.

Die schlechte Nachricht für mich jedoch: Ein Hersteller aus Korea meint, unbedingt ein neues Betriebssystem auf den Markt bringen zu müssen … und ich bin ja sooo gespannt auf Bada im neuen Samsung Wave. Also heißt es bald Abschied nehmen.

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Posted by Martin on 6.05.2010. Filed under Android, Handy, Weitere. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

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