Meine Woche mit dem Sony Ericsson Xperia X10

Es war eine schöne Zeit. Für über ein Jahr war das iPhone mein Begleiter in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Doch dann der erste Vertrauensbruch im Dezember: Mein Lebensabschnittspartner weigerte sich, etwas anderes als einen Apfel im Display anzuzeigen. Nach Wiederherstellung und neuer Einrichtung nur wenige Monate später das Gleiche: Ein Apfel im Display – mehr nicht … Grund genug, einmal darüber nachzudenken, ob es auch andere Mobilfunkgeräte gibt … und überhaupt hatte ich den Eindruck, dass wir zwar noch Freunde sind, uns aber irgendwie auseinander gelebt haben.

An meinem nächsten Handy hatte ich recht wenig Freude. Das Palm Pre meldete nach der Einrichtung, dass ein Update zur Verfügung steht. Nach Download und Installation hatte ich dann vor mir links ein iPhone liegen, welches nur noch einen Apfel anzeigt und auf der rechten Seite einen Palm Pre, welches nur noch das Palm Logo im Display anzeigen wollte – ein druchaus schlechter Start für eine gemeinsame Zukunft … und außerdem hast Du mir für einen Vielschreiber zu kleine Tasten, mein lieber Pre. Dann mal lieber das 1450ste Gerät, welches in den Medien als iPhone Killer bezeichnet wird: Das Sony Ericsson Xperia X10.

Mein ganz subjektiver Test: Das Design ist sehr gut gelungen. Das Android Betriebssystem hat sich in den letzten Monaten extrem entwickelt. Auch wenn einige anderes behaupten, sehe ich in der Touchscreen-Steuerung keinen Unterschied zu der vorbildlichen Bedienung eines iPhone. Leichte Bewegungen mit dem Finger führen exakt die Befehle aus, welche ausgeführt werden sollen. Das Schreiben von Texten fällt sehr leicht. Dabei reagiert das Gerät mit seinem Snapdragon Prozessor auch recht schnell. Lediglich die Multitoch-Bedienung, mit welcher z.B. Internet-Inhalte gezoomt werden können, vermisse ich ein wenig – allerdings auch nur, bis ich im sehr umfangreichen Market den Browser xScope GL entdecke, welcher den Zoom mit einem Finger möglich macht.

Eine ganz neue Erfahrung ist das hochauflösende Display, welches auch kleinste Internet-Inhalte noch kristallklar anzeigt. Sehr angenehm ist auch, dass das Gerät fast komplett individuell umzugestalten ist – verschiedenste Templates für die Home-Screen sind z.B. im Market erhältlich. Auch für den Empfang und Versand von E-Mails gibt es verschiedenste Programme - und hierin liegt eigentlich auch der Hauptunterschied zum iPhone, welches ohne Jailbreak nur sehr wenig Individualismus zulässt. Android ist eben doch mehr ein Betriebssystem und keine feste Betriebslösung – und das gibt zumindest bei mir im Test mächtig Pluspunkte.

Zwei Features möchte ich in der Zukunft schon jetzt nicht mehr missen, welche ich erst jetzt von meinem neuen Freund Xperia kennengelernt habe: Zum einen bietet der Homescreen eine Schnell-Informationsleiste – kommen neue E-Mail oder SMS an, steht ein Termin an oder gibt es andere Ereignisse, ist dies sehr schnell am Symbol in der Infoleiste erkennbar – danach muss diese einfach vergrößert werden, um weitere Details angezeigt zu bekommen. Die nächste überaus interessante Funktion erleichtert die Eingabe von Texten: Über der Tastatur werden immer 6-10 Wortvorschläge angezeigt. Dabei lernt das Gerät ständig mit. Tippe ich z.B. nach ca. einer Woche Nutzung jetzt ein c kommt bereits der Wortvorschlag “cafetelia” – ein Klick auf das Wort genügt und das Gerät setzt sowohl das Wort als auch einen Leerschritt automatisch ein – das spart Zeit und ist sehr komfortabel gelöst.

Noch ein Wort zur Kamera: Sehr gute Aufnahmen, aber zu langsam – Das Öffnen der Kamera-Applikation dauert fast 3 Sekunden, bis dann nach Klick ein Bild gemacht wird, ist nochmal eine Sekunde vergangen – gerade bei der Kamera sollte eine schnellere Reaktionszeit für Schnappschüsse gewährleistet sein. Des Weiteren kann der LED Blitz nur an- und ausgeschaltet werden – ein Automatikblitz ist in der aktuellen Version leider nicht möglich. Sony Ericsson hat jedoch schon ein Update angekündigt, welches zumindest die langsame Reaktionszeit lösen wird.

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten – da macht das X10 keine Ausnahme:

Das X10 ist äußerst hochwertig verarbeitet und liegt gut in der Hand – anscheinend hat Sony Ericsson jedoch bewusst darauf verzichtet, einen auch vernünftigen Lautsprecher in seinem Flagschiff zu integrieren. Dieser ist recht leise, kratzig, schäppernd – die Qualität eines fast zwei Jahre alten W580 Mittelklasse-Handy wird bei Weitem nicht erreicht. Auch in puncto Bereitschaftszeit muss man sicherlich Zugeständnisse machen, was jedoch bei allen Geräten dieser Klasse ein generelles Problem darstellt.

Die in den Medien sehr oft gelobten Programme “Timescape” und “Mediascape” sind für mich zumindest nicht nutzbarer Spielkram – bei Timescape handelt es sich um ein Tool zur Anzeige neuer Nachrichten aus Twitter, Facebook usw. Des Weiteren werden verpasste Anrufe angezeigt oder die letzten Bilder usw. – also quasi ein “Was ist in den letzten Minuten oder Tagen passiert”-Tool. Grundsätzlich ein netter Gedanke, aber statt Informationen liegt der Hauptaugenmerk auf animierte, fliegende Karteikärtchen, bei denen gerade mal die ersten 30 Zeichen einer Nachricht angezeigt werden… mehr passt nicht auf das animierte Karteikärtchen. Zum Glück wird die Oberfläche nicht unbedingt benötigt: Es gibt für Android zahlreiche, oft kostenlose Zusatztools für Twitter, Facebook und Co.

Ebenso sinnfrei ist Mediascape. Da fliegen dann z.B. MP3-Titel durchs Display – macht sich gut im Sony Ericsson Werbespot, ist in der Praxis jedoch zum einen langsam, zum anderen wenig brauchbar. Auch hier gibt es jedoch kostenlose Alternativen wie z.B. den Meridian Player.


Meine empfohlenen Programme fürs X10 nach einer Woche:

  • Tochdown E-Mail Programm – das im Lieferumfang enthaltene Moxier ist zwar äußerst gut, aber Touchdown bietet für meine individuelle Verwendung mit Exchange Server mehr Funktionen
  • Nimbuzz: Messenger für MSN, ICQ, Facebook, GoogleTalk, …
  • WordPress: Damit kann ich News direkt aus dem X10 in unseren Blog stellen
  • 3banana: Notizen incl. Bilder einfach erstellt
  • EverOn: Zeichnet mein Leben als Soundfile auf – passiert etwas spannendes, geht man einfach ins Programm und speichert die letzten 30 Sekunden
  • Tweetcast: Sehr guter Twitter-Client
  • ToMarket: Umfangreicher Einkaufszettel
  • S-Banking: Kontoinformationen unterwegs
  • Meridian: Media-Player
  • Cherry RPlayer: Radio-Player
  • xScope GL: Komfortabler Browser, welche Zoom per Fingergesten unterstützt
  • Linda Manager: Datei-Browser und Task-Manager

Neben diesen gibt es zahlreiche Tools, Spiele und Anwendungen im Market. Dabei jedoch noch ein Tipp zu den Programmen im Market: Google hat wohl seit langer Zeit Probleme bei der Registrierung von Kreditkarten mit dem Android-Handy – so auch in meinem Test. Eine Kreditkarte ist jedoch Voraussetzung für den Download von Programmen im Market – wer das gleiche Problem hat: Einfach mit dem normalen PC die Kreditkarte hinterlegen. Dann ist das Problem für immer gelöst.

Fazit: Das X10 sieht schick aus und bietet eine umfangreiche Ausstattung. Richtig negativ kann man eigentlich nur den Lautsprecher bewerten, welchen jedoch die meisten Nutzer in der Praxis sowieso selten einsetzen. Somit bin ich begeistert und habe manchmal schon fast den Eindruck, dass es sich um die nächste iPhone Generation handelt. Und diese Meinung reicht dann aus, um das Xperia X10 von mir als klare Kaufempfehlung zu bewerten und es als meinen neuen Begleiter zu ernennen… wäre da nicht das HTC Desire, welches ich irgendwann in den nächsten Tagen testen werde – doch dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt.

Related posts:

  1. Sony Ericsson stellt das neue Xperia X10 vor
  2. Meine Woche mit dem HTC Desire
  3. Meine Woche mit dem Samsung Wave S8500
  4. Sony Ericsson Satio Verkauf wird gestoppt
  5. Sony Ericsson erweitert die GreenHeart-Serie

Short URL: http://www.cafetelia.de/?p=1333

Posted by on 21.04.2010. Filed under Android, Handy. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

2 Comments for “Meine Woche mit dem Sony Ericsson Xperia X10”

  1. Hi! Ich dachte mal, ich schreibe einfach mal einen Kommentar zu Deiner Webseite. Ist dir wirklich hervorragend gelungen. Ich nutze auch seit ein paar Monaten WordPress, steige aber noch nicht so ganz durch. Nun, eine super Seite und gute Arbeit, immer weiter so :-)

  2. Hallo!
    Ich dachte mal, ich hinterlasse einfach mal einen Kommentar zu Deinem Blog. Ist dir wirklich super gelungen. Ich nutze jetzt auch seit einiger Zeit WordPress, blicke aber noch nicht so ganz durch. Also, eine gute Webseite und gute Arbeit, weiter so :-)

Comments are closed

Photo Gallery

Anmelden | Designed by Gabfire themes